Mein ICL Erfahrungsbericht

Mitte Juli 2016 wurde festgestellt, dass bei mir wegen dünner Hornhaut lediglich eine ICL Operation in Betracht kommt.

Voruntersuchung: Vor dem Termin durfte ich meine weichen Kontaktlinsen eine Woche lang nicht tragen, erweiterte das freiwillig auf 2 Wochen. Mein Termin war um 9:30, ich durchlief mehrere Tests, Untersuchungen und bekam den Befund um etwa 11:30. Auf slowakisch. Das war der einzig ungewöhnliche Punkt bezüglich der Wahl einer Klinik in Bratislava. Die Kosten des Termins lagen bei 140€. Den Befund übersetzte ich dann selber mithilfe des Internets und ließ mir mit der Entscheidung etwa 2 Wochen Zeit. In meinem Beitrag Vorüberlegungen zur ICL Operation gehe ich auf diese Phase näher ein.

Nach der Entscheidung für den Eingriff, musste ich 1998€ an die Klinik überweisen. Daraufhin wurden die ICL Linsen bestellt, die nach ca. 6 Wochen eintreffen sollten, weswegen mein Termin auf diesen Zeitpunkt gelegt wurde.

Operationen:

Davor: 3 Tage vor der OP keine Kontaktlinsen mehr, keine Schminke. Morgens und abends mit Blephasol reinigen. Am Abend vor der OP wusch ich meine Haare.

Linkes Auge (das „schlechtere“): Montag, 12. September 2016 um 8:30:

  • An diesem Tag musste ich auf die OP Vorbereitung nicht lange warten. Der Arzt hatte vor mir schon etwa 3-5 Personen operiert, was mir ein gutes Gefühl gab. Er war sozusagen schon „aufgewärmt“, wie meine Mutter und ich scherzten.
  • Leider hatte ich an diesem Tag Kopfschmerzen, die sich nach beginnender Migräne anfühlten. Aus Sorge vor Komplikationen, nahm ich jedoch keine Tablette.
  • Im Vorbereitungszimmer musste ich mich umziehen. Ich hatte bequeme Hosen sowie T-Shirt mit und zog meine mitgebrachten Hausschuhe an. Die Haare wurden unter einer OP-Haube versteckt und ich nahm an einem der komfortablen Stühle neben einigen anderen Patientinnen Platz.
  • Von Zeit zu Zeit bekam ich unterschiedliche Tropfen in meine Augen, musste danach jeweils die Augen kurz geschlossen halten.
  • Obwohl ich mich nicht wirklich nervös fühlte, nahm ich die mir angebotene Beruhigungstablette. Nicht dass ich im letzten Moment noch vom Stuhl hüpfte.
  • Nachdem ich aufgerufen wurde, kam ich in ein Vorzimmer des OP`s und der Arzt erklärte mir noch einiges und beantwortete verbliebene Fragen.
  • Ich nahm auf dem Operationsstuhl Platz und bekam braune, wahrscheinlich desinfizierende Augentropfen verabreicht. Die brannten ziemlich, weswegen ich zur Sicherheit noch fragte, ob meine Augen wohl eh genug anästhesiert waren. Eine Horrorvorstellung, während des Eingriffes aufgrund von Schmerzen zu zucken.
  • Erstmal bereitete der Arzt die Linse vor, danach musste ich in ein Licht sehen. Den Schnitt kündigte er zwar an, ich merkte jedoch gar nichts davon. Als meine Sicht schwummrig wurde, wusste ich, dass er bereits die Flüssigkeit injiziert hatte, die dafür sorgte, dass die Linse sich gut entfalten konnte. Für mich blieb lediglich einmal kurz dem Licht zu folgen und dann war der Spuk quasi auch schon vorbei. Ein sehr kurzer Eingriff, den ich kaum mitbekam.
  • Mein Auge wurde abgeklebt und der Chefarzt und ich posierten für ein Erinnerungsfoto.
  • Ich wurde zu einer Relax- Liege geführt, wo ich etwa 30 Minuten liegen bleiben sollte. Keinerlei Beschwerden am Auge verschafften mir ein Hochgefühl und riesige Erleichterung. Lediglich die etwas stärker werdende Migräne störte ein wenig. Ich versuchte mich zu entspannen, auch wenn ich mich ruhig fühlte, war es ja doch eine aufregende Sache.
  • Nach kurzer Wartezeit ging es für mich zur ersten postoperativen Untersuchung, bei der alles okay war.
  • Um 12:10 schickte ich Familie und Freunden das Bild aus dem OP, während ich auf meine zweite Nachuntersuchung wartete. Ich fragte die Ärztin, ob etwas gegen meine Migräne Medikation sprach und sie verneinte.
  • Da ich dem Chefarzt nicht recht glauben konnte, dass ich tags darauf keine Brille brauchen würde, ließ ich mir das linke Glas meines Sehbehelfes vom Optiker herausnehmen.
  • Da mein Augendruck okay war, konnte ich in die AirBnB Wohnung zurück und legte mich erstmal hin. Die Migräne verschwand aufgrund von Ruhe und Eumitan dann recht schnell und ansonsten hatte ich keinerlei Beschwerden.
  • Es folgte ein gemütlicher Nachmittag. Da die Klebekraft des Augenpflasters öfter mal nachließ, konnte ich ein bisschen heraus lugen und sah schon nach meinem Nachmittagsschläfchen trotz noch erweiterter Pupille ziemlich klar.

Dienstag, 13. September 2016:

  • Am nächsten Morgen durfte ich gleich nach dem Aufstehen mein Auge freimachen und tropfte Oftaquix-1, drei Minuten später Unidexa in mein Auge ein. Dann konnte ich einfach nur meine tolle Sicht genießen. Das Auge sah von außen noch ein klein bisschen gerötet aus, das legte sich jedoch schnell.
  • Die Kontrolluntersuchung fiel positiv aus und wir machten uns bereits um 9:30 auf in die Altstadt von Bratislava. Hätte dem Arzt ruhig vertrauen können. Sobald ich meine Brille aufsetzte, wurde mir schwindelig, weswegen ich das schnell sein ließ. Wegen Sonne und Wind benutzte ich also meine Sonnenbrille und lebte damit, links über 100% Sehstärke und rechts -6,5 Dioptrien Sehschwäche zu haben. Das war wirklich eine lustige Erfahrung. Zeitweise machte ich jeweils ein Auge zu, doch selbst mit beiden Augen offen, kam mein Gehirn recht gut klar.
  • In der ersten Woche nach der OP waren fünfmal täglich Augentropfen nötig, ich stellte mir Handyerinnerungen.

 

Rechtes Auge: Mittwoch, 14. September 2016 um 8:15:

  • Diesmal war die Wartezeit gehörig länger und ich vermutete schon, vergessen worden zu sein. War ich vor dem ersten Eingriff ruhig, merkte ich, wie sich das mit der Zeit änderte. An diesem Tag hatte ich jedoch keine Kopfschmerzen.
  • Der Ablauf selbst war wieder der selbe und erneut nahm ich die Beruhigungstablette.
  • Auf der Relax Liege angekommen, merkte ich beim zweiten Auge durchaus ein Druckgefühl im Kopf auf der entsprechenden Seite. Nicht schlimm, doch war ich vom ersten Auge ja verwöhnt.
  • Beim rechten Auge stieg dann der Augendruck. In so einem Fall muss man dann noch in der Klinik bleiben und bekommt Augentropfen, damit sich der Druck senkt. Meiner Erinnerung nach war bei mir zweimaliges- oder gar dreimaliges Eintropfen mit darauffolgender Kontrolle nötig. Mich irritierte, dass das Augendruck Messgerät mir auf mein frisch operiertes Auge blasen durfte. Ich wurde zunehmend unsicherer, doch die Ärztin beruhigte mich, dass das völlig normal sei.
  • Nachmittags konnte ich die Klinik schließlich verlassen. Die mitgegebene Schmerztablette war wiederum nicht nötig, weswegen ich nun zwei übrig hatte.

Donnerstag, 15. September 2016:

  • Wieder war die Nacht beschwerdefrei und die Sicht sogleich toll.
  • Kurz nach der Kontrolle um 8:15 besichtigten wir noch ein Denkmal in Bratislava und fuhren dann zu mir nach Hause, wo wir bereits mit Kuchen und Sekt erwartet wurden. Abends besuchte ich dann schon den Stammtisch meines Berufsverbandes und hatte keinerlei Probleme.

 

Weitere Sicherheitsvorkehrungen:

  • Verletzungen der Augen vermeiden: draußen setzte ich vorerst Sonnenbrillen auf.
  • Natürlich boxte ich mir selber mal ein wenig aufs Auge, was mir sonst nicht passiert. Da verspürte ich erstmals ein wenig Schmerzen, die sich schnell wieder legten.
  • Augenreiben sollte ich zwei Wochen lang vermeiden, was mir nicht schwerfiel.
  • Haare waschen war frühestens ab dem dritten Tag nach der OP erlaubt. Soweit ich mich erinnern kann, wartete ich gar einen Tag länger. Die Augen schützte ich sicherheitshalber mit Gefrierbeutel und Leukoplast, um Wasser und Seife fernzuhalten. Und um etwas zum Lachen zu haben.
  • Zwei Wochen nach der OP hatte ich ab Freitag abends auf dem rechten Auge leicht stechende Schmerzen und ließ das samstags in der LKH Notambulanz kontrollieren. Der Augendruck war okay und es wurden mir wegen trockenem Auge lediglich befeuchtende Augentropfen empfohlen. Sonntags war wieder alles okay.
  • In der 5. Woche nach den OP`s hatte ich einen postoperativen Kontrolltermin bei meinem Augenarzt, der mir zu den toll sitzenden Linsen gratulierte. Ich bat ihn auch gleich um einen Befund zu meiner 100%igen Sicht ohne Sehbehelf.
  • Alle 6 Monate steht nun eine Kontrolle des Augendruckes an.

 

Fazit: Meine Sicht tagsüber ist unschlagbar, links sehe ich über 100%, rechts 100%. Anfangs hatte ich bei Lichtquellen Halos, die langsam weniger wurden und nach einigen Monaten beinahe verschwanden. Ein Jahr danach habe ich sie allerdings immer noch leicht und die Sicht abends und nachts ist auch etwas schlechter als früher mit Kontaktlinsen. Der Komfort überwiegt jedoch, Autofahren ist problemlos möglich und ich bin immer noch sehr glücklich, den Eingriff gemacht zu haben. Bereits dreimal schwoll rechts mein Augenlid einige Tage lang leicht an und schmerzte ein wenig. Da Kontrolluntersuchungen jedoch stets positiv ausfielen, das innere Auge laut Arzt schön aussieht und der Augendruck passt, machte ich mir keine großen Sorgen. Im Oktober 2017 fuhr ich sicherheitshalber noch mal nach Bratislava und ließ die Spezialisten einen Blick darauf werfen. Es war alles okay. Die Erklärung der Ärztin war “trockene Augen”. Das geschwollene Augenlid habe mit der ICL nichts zu tun und die Linse sitze gut. Genau was ich hören wollte.

Ich würde den Eingriff jederzeit wieder durchführen lassen. Beinahe täglich wird mir meine große Dankbarkeit über die gute Sicht bewusst. Die etwas über 3000€ sind zwar schon eine Investition. Jedoch eine in Lebensqualität.

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