Ersthund. Der Kampf mit den Erwartungen anderer.

Einige Themen polarisieren heutzutage stark. Gefühlt jede(r) hat beispielsweise eine zeitweise emotional vorgetragene Meinung zu Kindererziehung, Migranten, gesunder Ernährung. Und Hunden. Man begegnet Hunden, man kennt Hunde, viele haben Hunde. Soweit mal klar, dass bei so vielen verschiedenen Menschen mit wahrscheinlich ebenso zahlreichen persönlichen Einstellungen auch unterschiedlichste Umgangsweisen zusammenkommen. Manchmal aufeinander prallen. Kawumm.

 

Entscheidung für einen Hund

Mein bisheriges Leben lang war mein großer Wunsch, Hundehalterin zu sein. Mit 33 Jahren habe ich ihn mir erfüllt. Der Weg dahin war jedoch mit Zweifeln gesät. Von einigen Seiten wurde mir vermittelt, dass ein Hund zu viel Verantwortung sei, man sich damit an Zuhause binde und stets eingeschränkt sei. Es wurde infrage gestellt, ob ich mich langfristig mit meinem Hund beschäftigen werde, die hohen Kosten tragen wolle und ohne Garten sei das alles ohnehin unmöglich. Genanntes beschäftigte mich. Ich hinterfragte meine Beweggründe, weswegen die Umstände für einen Hund nie wirklich zu passen schienen.

Die Entscheidung, einen Hund bei sich aufzunehmen, sollte nicht leichtfertig getroffen werden. Klar. In meinem Fall habe ich mir allerdings Sorgen gemacht, die in der Realität bisher unbegründet geblieben sind. Durch Erfahrungen mit dog sitting und Beobachtungen von fremden Mensch-Hund Teams, hatte ich eine überholte Sichtweise davon, wie man einen Hund erziehen “muss”. Man solle der Rudelführer sein, den Hund unterwerfen, strenge Kommandos geben und sich am besten für einen Rassehund entscheiden, da Mischlinge „schwer erziehbar“ seien. Ein Grund, froh zu sein, den Hund erst jetzt bekommen zu haben. Womöglich hätte ich ebendieses Programm durchgezogen.

Als ich endlich über passende Wohnung, Gegend, Garten und genügend Zeit verfügte, begann ich mit eingehender, monatelanger Recherche. Viele Bücher und Youtube Videos lieferten mir Tipps, Motivation und Anregungen. Über Umwege landete ich bei der positiven Hundeerziehung, mit der ich sogleich mitschwingen konnte. Es erschien mir schlüssiger und angenehmer, erwünschtes Verhalten zu belohnen und verstärken, als mit Strafen und harschen Worten zu arbeiten. Von Würgehalsbändern sowie sonstig schrecklichen Hilfsmitteln ganz zu schweigen. Mein Traum war ein gut sozialisierter, erzogener Hund, den ich überall mitnehmen kann und der Freude an gemeinsamer Beschäftigung hat. Soviel zur Theorie.

 

Welpenauswahl und Anlaufschwierigkeiten

Vor Anschaffung habe ich eine Hundeschule gesucht und mich von der Trainerin bezüglich einer zu uns passenden Rasse erkundigt. Ohne Tier zur zugehörigen Schule zu gehen irritierte einige. Doch es sollte ein Hund werden, mit dem ich als Anfängerin gut klarkommen würde. Zu dem Zeitpunkt hatten wir uns schon einen Welpen angesehen, einen anderen im Auge. Ich wusste über die beste Welpenauswahl Bescheid, worauf man achten sollte etc. Die Realität jedoch war eine andere. Es gab konkret nur mehr eine zu vergebende Hündin im (ungeplanten) Wurf und wir sagten frei nach Gefühl zu. Der Charakter war bei dem zwei Wochen alten, klitzekleinen Wesen natürlich noch nicht absehbar und auch sonst nicht viel von dem, was mir ja eigentlich ach so wichtig war. Um es abzukürzen: Es wurde nicht der ruhigste Welpe, sondern einer der zwei lebendigsten Frechdachse des Wurfes. Mit vielen lustigen Ideen und Führungsqualitäten. Im Laufe der Zeit bildeten sich bei ihr Hängelefzen aus. Sie war ein Energiebündel, das schwer zur Ruhe zu bekommen war und mit dem Alleine bleiben klappte es trotz versucht lehrplanmäßigem Vorgehen deutlich später als bei anderen. Zuhause entwickelte sie sich schnell zu einem Traumhund, während sie mich in der Hundeschule durch die Gegend zog, bellte und vieles andere interessanter fand als mich. Sie ist gefräßig und hat sich im Laufe der Zeit schon vieles einverleibt, was nicht dazu gedacht war. Besorgtes Beobachten des Hundes, ob er nicht doch an diesem und jenem sterben wird, inklusive. Die lockere Leine war nach einwandfreiem Start einige Zeit lang nur mehr Wunschtraum, bis es schließlich plötzlich wieder klappte.

 

Erziehung

Obwohl mich erfahrene Hundebesitzer bei den ein oder anderen Sorgen beruhigen konnten, wofür ich ihnen sehr dankbar bin, stand ich mit meiner Erziehungsmethode alleine da. Es gab kaum jemanden, der mich wegen der “Leckerli” NICHT belächelte. Ungeachtet der Tatsache, dass das großteils Hannis normales Futter ist, das sie sich freudig erarbeitet. Was kaum jemand zu verstehen schien. Für mich eröffnete sich durch den Hund eine unbekannte Welt, es wurden Erwartungen an mich gestellt, wie ich Dinge zu tun hatte. Ungefragt wurden mir Tipps gegeben, obwohl ich mich ohnehin an Claudia Hußmanns Traumhundgenerator orientierte. Trotz meiner Unerfahrenheit klappten viele Dinge auf Anhieb, ich war unermesslich stolz auf meinen Hund und unsere gemeinsamen Erfolge.

Niemals hätte ich gedacht, wofür ich kritisiert werden würde. Mein Tonfall galt als zu sanft, der Hund müsse ja wissen, wann ich es ernst meine. Dass für Hanni mein Verhalten ohnedies Gewicht hat, fiel nur jenen auf, die den Fokus abseits der seltenen “Fehler” richteten. Leute berühren meinen Hund, obwohl ich sie aus Trainingsgründen bitte abzuwarten, bis Hanni sich ruhig verhält. Manche stecken ihr Essen vom Tisch zu, obwohl ich das offiziell nicht möchte. Hier dürfte es sich um menschliche Bedürfnisse handeln. Für einen Hund erscheint es mir angenehmer, entspannt unter dem Tisch schlafen zu können, als gierig sabbernd auf etwas zu warten, das vielleicht gar nicht kommt. Für das Schlankhalten des Hundes hörte ich überdies den ein oder anderen kritischen Kommentar. Die Tierärztin fand das der Gelenke wegen jedoch gut.

 

Für Ruhe sorgen

Die Hundebox und mein Ruhesignal “Heiiiiia” war jedoch für viele unserer Leute der Brüller schlechthin. Ein Welpe/Hund wisse schon selber, wieviel Schlaf er brauche. Von einem Moment zum anderen wurde ich zur Lachnummer. Ich würde alles viel zu ernst nehmen, solle den Hund doch durch fremde Wohnungen flitzen lassen. Hanni solle unkontrolliert die Gegend erkunden dürfen, wobei es schon passieren könne, dass sie Essen vom Couchtisch schnappt. Das sei normal. Als ich mit der Hausleine ankam, FÜHLTE ich die Missbilligung quasi. Man könne einem Hund nicht beibringen, gewissen Dingen zu widerstehen, das seien ja Triebe. Außerdem sei das Zeitfenster von zwei Wochen, in denen ich noch Einfluss nehmen hätte können, schon vorbei.

Die ersten Monate mit Hanni waren wunderbar, ich war wegen Bildungskarenz großteils zuhause und habe die zahlreichen schönen Momente genossen. Diese vielen kleinen ersten Male. Familienfeiern fand ich im Gegensatz ohne Ende anstrengend. Bin manchmal im Anschluss in Tränen ausgebrochen, auch mal vor Ort. Was eher untypisch für mich ist. Noch nie stand ich mit meiner Einstellung, meinem angeeigneten Wissen dermaßen alleine da, wurde infrage gestellt und fühlte mich degradiert. Da ich- im Gegensatz zu den anderen- ja Hundeneuling war.

 

Der richtige Weg

Meine Haltung fühlte sich allerdings so richtig an. Hanni hatte sichtlich Freude am Leben, am Tun, am Lernen und wurde darüber hinaus ausgeglichener, weil ich für mehr Ruhe sorgte. Wenn Dinge nicht klappten, habe ich die positive Hundeerziehung durchaus in Frage gestellt. Mir überlegt, was zum Henker ich denn machen würde, wenn der Plan nicht aufginge und mein Hund „unkontrollierbar“ werden würde. Stolz kann ich erzählen, dass ich durchgehalten habe. Plötzlich großteils positive Rückmeldungen einheimse. Was für eine brave Hündin Hanni sei, und das in IHREM Alter. Meine Hündin hört auch auf andere Personen, wenn sie denn freundlich mit ihr umgehen. Beispielsweise hat sie schon als Welpe auf das geübte “Dankeschön” einer Familienangehörigen etwas Spannendes freiwillig hergegeben. Was ein Hund “normalerweise ja nicht macht“.

In der anstrengendsten Phase habe ich mich mehrmals gefragt, ob ich es jemals wagen werde, ein Kind zu bekommen. Welche Welt eröffnet sich einem denn dann? Ich nehme mich nicht aus, sehe Dinge von außen zeitweise auch anders. Neige eher dazu, Ratschläge zu geben. Ich schließe mit dem Vorsatz, meine Sichtweise zu schildern. Wenn sie angefragt wurde. Nur dann.

In harten Momenten hat mir ein Gedanke geholfen: Am Ende des Tages habe ich einen Hund, mit dem ich gerne meine Zeit verbringe. Der mit mir ein Team darstellt. Das zählt. Nur das.

Wie ist es euch ergangen? Kennt jemand Probleme dieser Art oder waren in eurer Umgebung eher Gleichgesinnte?

 

Beitrag enthält einen Werbelink. Der Preis des Kurses erhöht sich dadurch nicht, jedoch werde ich ein wenig unterstützt. Ich bin tatsächlich unendlich dankbar für den Traumhundgenerator und kann ihn uneingeschränkt empfehlen. In der Welpenschule lernten wir eher Grundkommandos und Sozialverhalten. Die alltäglichen Herausforderungen wie Beißen, Stubenreinheit, Alleinbleiben, Impulskontrolle, Entspannung, Medical Training und vieles darüber hinaus, konnte ich mithilfe dieses Angebots meistern. Über den Kurs kann man auch kostenlosen Webinaren beiwohnen, bei denen man seine Fragen live stellen kann. Ein tolles, kostengünstiges (119€) Rundum-Angebot, auf das ich glücklicherweise zufällig gestoßen bin. Ich merkte recht schnell, dass, trotz ruhigem Umfeld, sich unser Welpe nicht automatisch entspannen konnte. Über den Kurs habe ich viel Wissen (via Texte, Checklisten und auch über Videos, Anschauungsmaterial) vermittelt bekommen und konnte meinen Umgang mit Hanni deutlich verbessern. Endlich hatte ich auch EINE Linie, die ich verfolgen konnte…und diese ging ohne Gewalt vonstatten. Tolles Ding!

6 Kommentare bei „Ersthund. Der Kampf mit den Erwartungen anderer.“

  1. Sehr schöner Beitrag. Kenne ich leider auch und meistens hatten diejenigen, die überhaupt keinr ahnung von hunden hatten, die größe klappe. Nicht unterkriegen lassen und aufs eigene bauchgefühl hören

    Lg Katarina

    1. Hallo Katarina!

      Vielen lieben Dank!
      Und ja! Genau so werden wir das machen! 🙂

      Lieben Gruß, Jule

  2. Ohhhhh der Artikel liest sich, als würde er von uns handeln. Ich wurde und werde auch oft kritisiert. Meine Stimme müsse sich ändern, also im Ton härter werden, sonst würde Fiasko ja nicht merken, wenn er was falsch macht. Muss den Hund zeigen, wer der Chef ist. Wenn er nicht sofort zurück kommt, muss es eine Strafe geben und so weiter und sofort. Am Anfang habe ich mir alles zu Herzen genommen und war traurig, darüber, dass Leute mich so dermaßen kritisieren. Es ist mein 2ter Hund, aber mein erster Junghund. Fiasko kam mit 4 Monaten zu uns.
    Aber auch ich bin nicht von meiner Überzeugung und Lehrnmethode abgewichen. Ja, es dauert länger, aber mein Hund hat Spass mit mir und keine Angst vor mir. Er kommt gern zu mir zurück, da wieder irgendwas spannendes passiert oder er ein Leckerli bekommt. Mittlerweile ist Fiasko 1 Jahr und wir sind ein gutes Team. Natürlich befindet er sich noch mitten in der Pupertät und nicht alles klappt 100% und jeden Tag gleich. Na und? Er zeigt mir immer wieder, dass er versteht, was ich von ihm möchte. Jedoch ist es manchmal halt etwas schwieriger umzusetzen, da es etwas gibt, was grad viel spannender ist.
    Auch mache ich mir keine Gedanken mehr darüber, ob andere sich das annehmen, was ich bezüglich meines Hundes sage. Bsp Anspringen. Immer wieder habe ich mir bei denselben Leuten den Mund fusselig geredet: Nicht angucken, nicht anfassen, nicht ansprechen. Vor allem wenn er aufgeregt ist. Nie haben sie gehört. Also, springt er halt. Tja, selbst schuld. Bei fremden Leuten springt er gar nicht. Und wenn die anderen nicht kapieren wollen, dann ist es halt so. Dann müssen sie damit Leben, dass ein 67cm grosser Wauzi sie anspringt, obwohl sie schon mitbekommen haben, dass es mit meiner Methode viel besser klappt.

    1. Hallo!

      Ohhhh ja, das kommt mir bekannt vor! Und genau das sind ja zeitweise auch Dinge, die das unerwünschte Verhalten noch verstärken. Zum Glück hören wir nicht auf alles, was uns da so gesagt wird…;)

      Ich kann mir das sehr gut vorstellen, dass ein Junghund trotz Hundeerfahrung eine Herausforderung sein kann. Vor allem da ich mittlerweile glaube, dass Hunde ja grundsätzlich auch total verschieden sein können.

      Schön, das klingt wirklich prima! Genau so soll es auch meiner Meinung nach sein. Voller Freude auf uns zu!

      Eben! Auch Hunde dürfen Auffälligkeiten der Pubertät zeigen. Freue mich für alle, deren Hund das gar nicht betrifft…doch ich habe vollstes Verständnis für Schwankungen dieser Art. Erst gestern war Hanni bei einem Spaziergang sehr überdreht und hat gezogen: sooo viele Geräusche, Gerüche, Menschen und Hunde. Anstrengend, aber geht vorbei.

      Wow 67cm, na da haben die sich ja was eingehandelt! 😉
      Alles Gute für euch weiterhin!

  3. Oh je, du musstest dir ja wahnsinnig viel anhören.
    Alleine schon, dass dir im Voraus so viel Angst gemacht wurde finde ich super schade. Natürlich benötigt ein Hund viel Aufmerksamkeit, aber es sollte doch trotzdem jeder für sich entscheiden, ob er diese Verantwortung möchte.
    Einige Sachen musste ich mir auch anhören, so als Studentin in einer WG, in einer Stadt! Die ungläubigen Blicke und Kommentare haben sich allerdings schnell in eine große Freude auf das neue flauschige Familienmitglied gewandelt.
    Ich finde, dass solange man weiß, worauf man sich einlässt, sollten die anderen Leute einfach ihre liebe Klappe halten und sich für einen freuen.

    Ich kann von Herzen sagen, meine Maus ist das Beste, was mir passieren konnte und ich bereue keine Millisekunde mein Leben gemeinsam mit ihr zu teilen. Ich denke dir geht es da genauso. 🙂

    Toller Artikel und ich freue mich, dass du dich am Ende nicht hast unterkriegen lassen!

    1. Hallo Jasmin!

      Vielen lieben Dank für deinen Kommentar und Erfahrungsbericht. Ja, von außen kann da so einiges auf einen zukommen..zum Glück zeitweise auch Gutes. In der WG stelle ich mir das auch recht cool vor. Viele streichelnde Hände! 🙂
      Schön, dass es bei euch geklappt hat und dass du deine Maus so schätzen kannst. Und jop, mir gehts da gleich! 🙂

      Danke nochmal! Lieben Gruß, Jule

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