Pubertät beim Hund. Dauert.

Ich hielt es für möglich, dass Pubertät überbewertet wird und bei Hanni gemütlich abläuft. Bis…ein unausgeglichenes, hormonell durcheinander gewürfeltes Wesen zum Vorschein kam. Und erstmal bleibt.

 

Kurze entspannte Zeit

Wie schon in Ersthund. Der Kampf mit den Erwartungen anderer. beschrieben, war Hanni früher allgemein und in der Welpenschule noch sehr überreizt. Sie reagierte auf jede Ablenkung und es war anstrengend, sie zu führen. Allerdings änderte sich das beim Junghundekurs um 180 Grad. Es machte großen Spaß, wir waren ein tolles Team. Diese noch nicht mal richtig ausgewachsene Hündin verstand, was ich von ihr wollte und hatte sogar selber Freude dabei. Als Hundehalterin dachte ich stolz, dass ich wohl was richtig gemacht habe und genoss die Zeit. Selbst die erste Läufigkeit war wesentlich entspannter, als andere das berichten. So verwarf ich auch den Gedanken an eine Kastration. Einige Wochen danach änderte sich ihr Verhalten jedoch. Sie erschien unausgeglichener, winselte öfters ohne erkenntlichen Grund, rammelte Decken und stahl zeitweise Socken. Sie beschützte in leichter Ausprägung ihr Spielzeug und protestierte eine Zeit lang gegen das Alleine bleiben. Für mich war es herzzerreißend, weggehen zu müssen, während mein Hund heulte. Die Scheinträchtigkeit wurde mir erst nach Wochen zufällig bewusst, als ich mit meiner Freundin über Hannis Verhalten sprach. Doch es gibt länger anhaltende Veränderungen.

 

Niedrige Reizschwelle

Sie wird nun zeitweise zur Rüpeline an der Leine und ihre Reizschwelle draußen ist wieder auf bekanntes Welpen-Niveau gesunken. Es gibt dennoch Tage, an denen mein entspannter Junghund zum Vorschein kommt, die mich sehr beruhigen. Restliche Tage können mitunter anstrengend werden. Spaziergänge sind zeitweise eine echte Überwindung für mich. Hanni fühlt sich stellenweise von der Leine eingeschränkt, wälzt sich welpenlike am Boden oder beißt in die Leine. Andere Hunde sind wieder sehr interessant, das Begegnungstraining startete bereits mehrmals von Vorne. Hanni erschreckt sich wegen vorbeifahrender LKW oder anderer lauter Geräusche. Einige Tage nach ihrem ersten Geburtstag ist Hanni Rehen hinterher. Noch nicht im Jagdmodus aber durchaus im “Hey, die sind grad viel interessanter als zum Frauchen zu kommen. Ich lauf denen mal nach. Erstmal vorsichtig. Ach was, hinterher!“. Hanni kam, kurz nachdem die Tiere im Wald verschwunden waren, wieder zurück. Doch bedauerte ich sehr, dass die Zeit des Freilaufens vorerst vorbei war und die Schleppleine ran musste. In einer Klamm versuchten wir es nochmal ohne, doch Hanni war zu abgelenkt von all den Naturwundern, dass sie nicht zuverlässig kam und ihren Radius zu weit ausdehnte. Womit sie ihr Schicksal besiegelte. Nun müssen wir uns mit der langen Leine anfreunden.

 

Dranbleiben

Sowas von verwöhnt davon, wie gut die positive Hundeerziehung funktionierte, musste ich nun etwas umdenken. Ich konnte nicht mehr davon ausgehen, dass meine Signale verlässliche Ergebnisse erzielten. Von Zeit zu Zeit dachte ich mir: “Ach was, dann machst du das eben nicht.“, was nicht unbedingt ratsam ist. Im Familienhundekurs wurde mir gesagt, dass gerade jetzt die Verknüpfungen im Hirn passieren, weswegen ich auf die Durchführung der Übung bestehen solle. Auch wenn es lange dauert. Lockere Leine ist nun wieder Arbeit. Sowohl für Hanni, als auch für mich. Leute, die mit uns spazieren wollen, erscheinen mir zeitweise leicht irritiert. Meine Konzentration liegt großteils auf dem Hund und Stop and Go ist auch nicht jedermanns Sache.

Zwischenzeitlich bekam ich keine Tipps zur Hundeerziehung, doch das beginnt nun wieder. Ein Geschirr könne das Ziehen anregen und mir wurde ein Würgehalsband nahegelegt. Never. Ever.

Das mit dem Anspringen haben wir ehrlicherweise zu keinem Zeitpunkt wirklich im Griff gehabt. Hanni freut sich über Besuch so sehr, dass wir sie festhalten müssten. Was nur klappt, wenn wir zu zweit sind. Gewünschtes Verhalten kann ja nur belohnt werden, wenn gezeigt. Was selten der Fall ist. Trotz (womöglich falschen) Versuchen, die Situation zu verändern. Hanni ist so überflutet, dass sie bei unserem Heimkommen beispielsweise sofort ein Spielzeug holen RENNT. In einem Affentempo. Dabei macht sie weinerliche Geräusche. Vollkommen überwältigt halt. Grundsätzlich ist das Verhalten ja verständlich ;-). Doch unerwünscht.

 

Verständnis

Leute, besonders jene die uns draußen antreffen, können also zeitweise durchaus den Eindruck bekommen, dass wir mit unserem Hund nicht zurecht kommen. Das empfinde ich jedoch anders. Mein Hund KANN gerade nicht anders. In ruhigen Phasen, an guten Tagen und großteils zuhause, ist Hanni genau der Hund, den ich mir erträumt habe. Sie ist auf uns orientiert, versteht was wir von ihr möchten und ist sogar noch kuscheliger geworden. Im Garten reagiert sie wieder gut, was zwischenzeitlich auch anders war. Ohren auf Durchzug und so. Ich mag falsch liegen, doch ich spüre, dass die Reizschwelle auch draußen wieder steigen wird. Wenn die Hormone sie nicht mehr wild durcheinander würfeln und sie nicht mehr jedem Reiz nachgehen möchte. Besonders gut abgeholt hat mich der Artikel von Heike Benzing. Viele Infos und für mich nachvollziehbare Argumente.

Wir bleiben dran.

Wie habt ihr die Pubertät eurer Hunde erlebt? Was glaubt ihr: steigt die Reizschwelle oder liege ich da falsch?

 

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