Die Aufgaben meines Hundes.

Beziehung ist meiner Meinung nach beidseitig. Geben und Nehmen. Doch was trägt der Hund bei? In der Welpen- und Pubertätszeit hab ich zwar schon auch genossen, mich aber eher in der “ich bin Frauchen und muss für alles sorgen”-Rolle gesehen. Da hab ich meinen Hund aber ganz schön unterschätzt.

 

Ausreichend Pausen

Besonders an meinen home-office Tagen fällt mir immer mal wieder auf, welch ungesunden Zugang zu Arbeit ich doch habe. Recht einfach komme ich in einen (zeitweise verbissenen) workflow, was ich grundsätzlich gut finde. Doch auf Pausen und kleine Freuden zwischendurch vergesse ich dadurch meist. Für die sorgt Hanni. Spätestens alle 1,5 Stunden (meist jede Stunde) kommt sie schwanzwedelnd an, wartet, bis ich mit meinem Sessel zurückfahre und ihr deute, hochspringen zu dürfen. Dann wird mal gekuschelt und umarmt. Das hab ich ihr übrigens nicht beigebracht. Das kam von ihr.

 

Mehr Entspannung

Durch Üben von Entspannung (jop, das ging bei Hanni nicht von allein) haben wir nun ein Haustier, das großteils schläft, chillt oder ruhig beobachtet. Gerade in Zeiten gefühlten Stresses und endlosen ToDo-Listen, lässt mich mein dann auftretender Neid auf den Hund meist kurz stutzen- und mir die Situation bewusst machen. Mittlerweile ist dadurch eine neue Ressource dazugekommen: Das Dazulegen. Ein bis zwei Minuten reichen, um mich ruhiger werden zu lassen. Eine kleine Auszeit mit Körperkontakt.

 

Freude

Heute morgen. Hanni ignoriert mein Aufstehen. Ist ja Sonntag. Um 8:30 kommt sie dann schwanzwedelnd, mit üblich freudiger Körper- und Ohrenhaltung (die wohl jede(r) Hundehalter(in) kennt) daher und begrüßt mich auf der Couch. War ja die Nacht dazwischen. Danach seufzt sie tief, lässt sich schwer neben mich plumpsen und legt ihren Kopf in meinen Schoß. Dann noch ein tiefer Laut des Wohlbefindens oder der großen Müdigkeit. Ist ja noch früh. Muss ja schlafen.

Große Freude ebenfalls beim Heimkommen, wenn ich mal eine Stunde die Tür meines Büros geschlossen hatte, ich zwei Minuten mit dem Müll war oder einfach neben ihr mal kurz konzentriert bei der Arbeit. Sie findet es nicht uncool, ihre Gefühle zu zeigen und legt sie offen dar. Wer kann denn da schon anders, als sich zu freuen?

 

Kuscheleinheiten

Hormonelle Phasen spielen da bei Hanni ein bisschen mit. Gerade nähert sie sich von der Zeit her wieder einer womöglich auftretenden Scheinschwangerschaft an. Sie ist besonders kuschelig und sucht trotz Sommerwärme noch mehr Körperkontakt als sonst. Unglaublich süß. Und ja: mit einem größeren Hund kann man auch Löffelchen liegen. Für Sie getestet. Dabei spürt man den ruhigen Herzschlag, die gleichmäßige Atmung UND hat ein kuscheliges Fellchen im Arm.

 

Uneingeschränkte Aufmerksamkeit

Meine Trainerin meinte, ich hätte einen typischen Clickerhund. Sie möchte mit mir arbeiten und wartet freudig auf Anweisungen. In äußerst aufmerksamer Haltung und mit vollem Fokus auf mich. Das ganze für ein bisschen Ballspiel, Zuwendung oder Futter. Erlebe ich anderswo eher selten. Würde mich wahrscheinlich aber auch irritieren ;-).

 

Bedingungslose Liebe

Sagt man so. Erleb ich so. Schön.

Hanni ist es egal, welche Ausbildung ich habe, was ich den ganzen Tag so tue, wie sauber die Wohnung ist oder ob sie nun ein teures Halsband trägt. Sie will nur bei uns sein. Am liebsten hat sie es sogar, wenn wir den Großteil des Tages auf der Couch gammeln. So wie heute. Alle drei.

 

Spaß und Blödelei

Wir toben gemeinsam, necken uns, spielen und versuchen, uns gegenseitig reinzulegen. Hanni probiert letzteres übrigens nur, wenn Essen im Spiel ist. Allein diese schwerelose Connection aufzubauen, die Blicke, Körperhaltungen…einfach lustig. Vergisst man im Erwachsenenalltag schon mal gern, dass auch Leichtigkeit sein darf.

 

Bewegung und Natur

Auch früher habe ich mich schon bewegt und allgemein einen recht aktiven Beruf, doch wirklich JEDEN Tag raus, das ist auch für mich neu. Besonders gern hab ich Morgen- und Abendstimmung und sitze seit meinem Hund auch tendenziell mehr im Garten. Ich erlebe die Jahreszeiten und Übergänge intensiver, bekomme mit, welche Blumen gerade blühen und wie sich Sträucher und Bäume entwickeln. Anfangs war ich noch voll auf meinen Hund fokussiert, doch je besser wir uns einspielen, desto mehr bekomme ich auch von der Umgebung mit.

Ein besonderer Pluspunkt ist, dass auch mein Partner wieder mit von der Partie ist. Jahrelang konnten wir diese Tradition aufrechterhalten, doch mit der Zeit ist sie eingeschlafen. Nun sind wir zumindest sonntags wieder gemeinsam unterwegs.

 

Weiterbildung und Offenheit

Mir war anfangs nicht bewusst, WIE wenig ich eigentlich über Hunde weiß. Hanni teilt sich ständig mit und ich verstand es nicht. Rasend schnell habe ich gelernt und bin immer noch dabei. Beispielsweise Beschwichtigungssignale des Hundes. Unglaublich spannend und hilfreich für die Kommunikation mit dem Hund. Auch, um anderen das Verhalten meines Hundes zu erklären und Hanni vor unerwünschten Situationen schützen zu können, beziehungsweise diese zu entschärfen. Hanni stellt sich auf mich ein und ich möchte ihr fairerweise auch etwas zurückgeben. Weiters kommt man mit anderen Mensch-Hund Teams in Kontakt. Durchaus auch bereichernd, wie ich finde.

 

Familienleben

Wie für andere womöglich unter anderem Kinder, so ist auch unsere Hündin ein gewisser Klebstoff der Familie. Meine Eltern- quasi ihre Großeltern- bieten bereitwillig Dogsitting an und wir haben im Trubel all dessen, was sonst alles zu tun ist, deutlich mehr Kontakt als früher. Mein Vater geht mit Hanni spazieren, wandern, während meine Mutter und ich Zeit haben, uns zu unterhalten. Es ist sehr schön, Hilfe annehmen zu können.

 

Von bedingungsloser Liebe wird oft gesprochen, damit habe ich quasi gerechnet. Doch dass mein Hund so vieles mehr mitbringt und mich unterstützt…das hat mich überrascht. Hanni ist ein Gewinn für unser Leben, unsere Partnerschaft und Familie.

 

Wie ist das bei euch? Was gibt euch euer Hund? Und: kann man mit kleineren Hunden auch Löffelchen liegen?

 

 

 

2 Kommentare bei „Die Aufgaben meines Hundes.“

  1. Ich kann Deinen Text so gut unterschreiben – jeder unserer Hunde hat so viel unterschiedliche Impulse in unser Leben gebracht … und wir haben von edem viel gelernt. Gerade bei zwei Hunden sieht man auch mal, was Konsequenz unter Hunden bedeutet, wie schnell eine Rüge erteilt wird und dann aber auch alles wieder vergessen ist. Wir haben gesehen, wie leicht Hunde Veränderungen akzeptieren, wie sie so viel besser als wir mit Krankheiten und Einschränkungen zurechtkommen. Wir haben durch unsere Hunde so viel mehr Lachen, Freude und Spaß in unserem Leben … wir möchten keinen Tag davon missen.

    Liebe Grüße,
    Isabella mit Cara und Shadow

    1. Och, das klingt wunderbar! Schön, dass ihr so tolle Erfahrungen macht und dass eure Hunde so eine Bereicherung sind! Da geht mein Herz auf! 🙂

      Lieben Gruß,
      Jule mit Hanni

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